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Kolumbarium St. Bartholomäus, Köln, 2015, Kissler + Effgen Architekten, Foto: Dietmar Strauß

3+6 Vortragsreihe zum zeitgenössischen Sakralbau
Kissler + Effgen Architekten. Di, 4.6.2019, 19 Uhr

Projekt: Umgestaltung der Kirche St. Bartholomäus zur Grabeskirche, Köln, 2015
KISSLER + EFFGEN Architekten (Wiesbaden)

Eingeladener Wettbewerb

Preise:
2015 Anerkennung GERMAN DESIGN AWARD 2015 – SPECIAL MENTION
2016 Anerkennung DAM (Deutsches Architekturmuseum)

Um Anmeldung wird gebeten unter info@dg-galerie.de

St. Bartholomäus war 1959/60 durch den bekannten Architekten Hans Schwippert (1899-1973, Düsseldorf) errichtet worden. 1978 kamen farbige Glasfenster von Prof. Giselbert Hoke (1927-2015, Klagenfurt) dazu. Nach Gemeindezusammenlegungen wird St. Bartholomäus in ihrer ursprünglichen Funktion nicht mehr benötigt. Die Kirche wird zu einer Grabeskirche umgewidmet. In ihrer neuen Funktion als Kolumbarium wird sie zu einem Ort der letzten Ruhe. Die Gemeinde und das Erzbistum entschließen sich nach einem Wettbewerb, die Umnutzung durch das Architekturbüro Kissler + Effgen durchführen zu lassen.

Die Architekten erläutern ihren Entwurf mit zwei programmatischen Sätzen: „Um diese Kirche zu einem Kolumbarium zu machen, muss absolut nichts getan werden, außer 2.000 Urnenkammern in Verbindung mit einem Sakralraum sinnhaft in die Gesamtkomposition zu integrieren. Alles andere ist schon da.“ 

Zentrale Entwurfsidee ist es, mit dem Einbau des Kolumbariums den räumlichen Charakter des Mittelschiffs als wahrnehmbaren Großraum zu erhalten. In diesem Sinne werden die Urnenkammern umlaufend an der Peripherie des Mittelschiffs angeordnet und zur quantitativen Optimierung kammartig aufgefaltet. Die Urnenkammern bestehen aus einer Stahlkonstruktion, die mit brüniertem Messingblech verkleidet ist. Zehn nischenähnliche Kabinette entstehen, die den Trauernden zwar aus dem unmittelbaren Großraum herausnehmen und ihn schützend bergen, den Gesamtraum aber nicht verwischen.

Die zweite wesentliche Maßnahme bestand darin, im Zentrum der Grabesanlage eine Kapelle zu organisieren. Die erforderliche inhaltliche Abgrenzung zum Großraum erfolgt räumlich über ein abgehängtes, transparentes Metallnetz, das Kapelle und Kolumbarium separiert aber auch gemeinsam wahrnehmen lässt. Das Gazegewebe lässt die beiden Räume miteinander verschmelzen. Wie im Theater wird die räumliche Staffelung vor bzw. hinter dem Netz durch pointiert gesetztes Kunstlicht unterstützt. Während des Gottesdienstes ist der Kapellenraum hell, zu den übrigen Zeiten dient das Netz als Lichtreflexions- und -verteilungsmedium für das Kolumbarium.

Die bisherige liturgische Ausstattung der Kirche konnte nicht übernommen werden und wurde neu entwickelt. Eine künstlerische Preziose ist dabei der von Ludek Tichy gestaltete Kreuzweg in Form von expressiven Holzreliefs, die den Weg um den quasi virtuellen Kapellenraum herum säumen.


Zur Reihe 3+6

Reduktion und Erneuerung von Sakralbauten

In der Vortragsreihe der DG 2019 stellen Architekturbüros ihre neuesten Projekte im Bereich Kirchenumbauten und Kapellen vor. Kapellen, kleine Andachtsräume, die oftmals auf Privatinitiativen zurückgehen, haben eine lange Tradition und erfahren gerade in den letzten Jahrzehnten wieder großen Zuspruch. Sie werden genutzt als Orte der Zuflucht und Stille und werden nicht als Bastionen des Glaubens angesehen. So bilderlos der neue Sakralbau ist, so präzise werden Architektur und künstlerische Beiträge geplant.

Die Kirche untersteht dem Wandel gesellschaftlicher Werte sowie demografischer und finanzieller Rahmenbedingungen. Das geht nicht selten mit neuen Aufgaben für den Kirchenraum einher, der baulichen Veränderungen unterzogen werden muss. Teilprofanierungen oder Verkleinerungen von Kirchenräumen sind Aufträge, mit denen Architekten immer häufiger konfrontiert werden.

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